Das Buch, das ich mir selbst gewünscht hätte – Warum ich „Gib Konflikten (k)eine Chance!“ geschrieben habe
Es gibt Bücher, die schreibt man aus einem Plan heraus.
Und es gibt Bücher, die entstehen aus der Praxis.
Und manchmal entsteht ein Buch aus einem leisen Gedanken, der einen über Jahre begleitet:
Warum gab es dieses Buch eigentlich nicht, als ich es selbst gebraucht hätte?
Genau so ist „Gib Konflikten (k)eine Chance! – Das kann Mediation“ entstanden.
Nicht als klassisches Fachbuch.
Nicht als theoretischer Leitfaden.
Sondern als ein Buch, das ich mir selbst gewünscht hätte – vor, während und kurz nach meiner Mediationsausbildung.
Zwischen Ausbildung und Wirklichkeit
In der Ausbildung begegnet man zunächst Modellen, Phasen und Methoden.
Das ist wichtig. Es schafft Struktur und Sicherheit.
Was ich mir damals jedoch nur schwer vorstellen konnte, war die tatsächliche Vielfalt der Konflikte, die einem in der Praxis begegnen.
Konflikte sind selten so klar, wie sie auf dem Papier erscheinen.
Sie sind vielschichtig, emotional, leise oder laut, manchmal widersprüchlich – und fast immer zutiefst menschlich.
Die Theorie ordnet.
Die Praxis überrascht.
Die bunte Realität der Mediation
Im Laufe der Praxisjahre wurde mir immer deutlicher, wie unterschiedlich Fallkonstellationen in der Mediation tatsächlich sind.
Kein Konflikt gleicht dem anderen.
Keine Geschichte verläuft identisch.
Und keine Lösung lässt sich schematisch übertragen.
Da gibt es hoch eskalierte Konflikte, in denen jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird.
Und es gibt die leisen Konflikte, die jahrelang unter der Oberfläche wirken.
Manchmal geht es um konkrete Entscheidungen, manchmal um verletzte Erwartungen, manchmal schlicht um das Bedürfnis, endlich gehört zu werden.
Diese Vielfalt ist kein Hindernis für Mediation.
Sie ist ihr eigentlicher Kern.
Eine zentrale Erkenntnis aus der Praxis: Mediation ist personenbezogen
Mit der Zeit wurde mir eine Erkenntnis immer klarer:
Mediation ist keine standardisierte Dienstleistung. Sie ist in hohem Maße personenbezogen.
Jeder Fall ist anders.
Jeder Mediand ist anders.
Und jeder Mensch benötigt eine andere Form der Begleitung.
Nicht jeder Mediator passt zu jedem Konflikt.
Und nicht jede Arbeitsweise passt zu jeder Persönlichkeit.
Manche Menschen brauchen Struktur und Klarheit.
Andere benötigen vor allem Raum, Ruhe und Verständnis.
Wieder andere suchen Orientierung in einer emotional belastenden Situation.
In diesem Sinne gibt es nicht den „richtigen“ Mediator im Allgemeinen, sondern nur den passenden Mediator für den konkreten Menschen und den konkreten Konflikt.
Mehr als Methode: Die Haltung des Mediators
Im Laufe meiner Tätigkeit als Rechtsanwalt und zertifizierter Mediator habe ich immer wieder erlebt, dass Mediation häufig über Methoden definiert wird.
Doch in der Praxis zeigt sich:
Entscheidend ist nicht allein die Technik – entscheidend ist die Haltung.
Eine mediative Haltung bedeutet:
nicht vorschnell zu bewerten
unterschiedliche Perspektiven auszuhalten
Konflikte nicht als Störung, sondern als Entwicklungschance zu verstehen
und Menschen in ihrer jeweiligen Situation ernst zu nehmen
Der Mediator ist kein Richter und kein Entscheider.
Er ist Begleiter, Strukturgeber und Zuhörer.
Und manchmal einfach ein ruhiger Pol in einer emotional bewegten Situation.
Orientierung für Menschen im Konflikt
Ein weiterer Beweggrund für dieses Buch war eine Beobachtung aus der Praxis:
Viele Menschen haben schon von Mediation gehört, können sich aber kaum vorstellen, was sie konkret erwartet.
Sie fragen:
Passt Mediation zu meinem Konflikt?
Wie arbeitet ein Mediator eigentlich?
Und worauf sollte ich bei der Auswahl achten?
Das Buch möchte genau hier ansetzen.
Es soll keine fertigen Lösungen vorgeben, sondern ein realistisches Bild von Mediation vermitteln – in ihrer Vielfalt, ihrer Menschlichkeit und ihrer Praxisnähe.
Ein Buch aus der Erfahrung – nicht aus der Theorie
„Gib Konflikten (k)eine Chance!“ ist deshalb bewusst kein klassisches Lehrbuch geworden.
Es ist ein Haltungs- und Praxisbuch.
Ein Buch über Konflikte im Alltag.
Über Kommunikation.
Über Perspektiven.
Und über die Möglichkeit, Konflikte nicht nur zu vermeiden, sondern konstruktiv zu verstehen.
Rückblickend hätte mir ein solches Buch in meiner eigenen Ausbildungszeit sehr geholfen – nicht als Anleitung, sondern als Einordnung. Als realistischer Blick auf das, was Mediation tatsächlich ist: ein individueller, lebendiger und zutiefst menschlicher Prozess.
Literaturhinweis
Wer sich für die Vielfalt der Mediation, die Haltung des Mediators und den praktischen Umgang mit Konflikten interessiert, findet diese Gedanken gebündelt in meinem Buch:
„Gib Konflikten (k)eine Chance! – Das kann Mediation“
https://shop.tredition.com/booktitle/Gib_Konflikten_keine_Chance/W-403-660-097
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