Wenn Schokolade nicht mehr hilft – Vom eigenen Stress-Level und anderen Ventilen

Die Leute reden ja gerne von „stressigen Arbeitstagen“.

Ich würde diese eher als anstrengend bezeichnen. Für „Stress“ fehlt mir meist der Sinn, der entsteht nämlich oft in meinen eigenen Gedankengängen. Hausgemacht, könnte man sagen.

Wobei: Jeder Mensch hat sein eigenes Level.
Was für den einen massiv ist, lässt den anderen völlig kalt. Wir sind eben verschieden. Und manche Zündschnur ist schlicht kürzer als eine andere.

Manchmal muss es dann ein Stück „Frustschokolade“ sein, um kurzfristig wieder alles in den Griff zu bekommen.
Was auch immer dieses Stück Schokolade unserem Gehirn suggeriert, Belohnung, Trost, Kontrolle? 

Für einen Moment funktioniert es.

Ich werde öfter gefragt:
„Wie steckst du das eigentlich weg?“

Meist antworte ich mit einem Lächeln:
„Die Teflon-Beschichtung auf meinem Rücken wurde letzte Woche erneuert.“

Natürlich funktioniert das nicht immer.

Wir sind den ganzen Tag Eindrücken ausgesetzt. Gespräche. Zuhören. Erwartungen. Stimmungen. Und immer im Gepäck: der allseits bekannte „Flurfunk“. All das will verarbeitet werden. Gefühle entstehen, manche klar, manche diffus. Und je später der Tag, desto schwerer lassen sich Emotionen sauber einsortieren.

Abends schließt man die Bürotür von außen und hofft, die Emotionen bleiben drinnen.

Aber was, wenn sie mit vor die Firmentür kommen?
Was, wenn sie sich auf den Beifahrersitz setzen?

Was kann ich tun, wenn gerade kein Sandsack verfügbar ist, und die Schokolade auch schon leer gegessen wurde?

Da hat jeder seine eigene Persönlichkeit. Und sein eigenes Ventil.

Ich habe bei mir vier Level beobachtet.

Level 1 – „Für heute ist gut“

Körper und Geist melden: Feierabend.
Nicht analysieren. Nicht bewerten. Einfach nach Hause.

Level 2 – Erdung

Ein kurzer Spaziergang.
Irgendwo im Nirgendwo.
Am besten barfuß.

Der Boden erdet mehr als jedes Argument.

Level 3 – Klangdusche

Das Köpfle hat zu viel Input.
Gedanken drehen sich im Kreis.

Also: Playlist an.
Sehr laut.

Gedanken müssen manchmal übertönt werden, bevor sie wieder vernünftig sprechen können.
Wird gerne mit Level 2 kombiniert.

Level 4 – Explosionsgefahr

Jetzt reicht es nicht mehr für einen Spaziergang.
Jetzt müssen 400+ PS ran.

Gedämpfte Musik. Straße. Fahrtwind.
Eine gute Stunde.

Danach ist das Köpfle in alle Richtungen freigeblasen.
Gefühle neutralisiert.

Aber:

Wir machen hier keine Challenge.
Es geht nicht darum, wessen Ventil das kreativste ist.

Wir sind individuelle Menschen. Jeder kennt – oder sollte kennenlernen – sein eigenes Level. 

Und es gibt kein Patentrezept. Meine Level sind nur unverbindliche Vorschläge, gut für mich, vielleicht auch für dich, aber vielleicht auch nicht.

Eines ist wichtig:
Wir brauchen Zeit und Raum für Ausgleich.

Bevor Körper und Geist uns mitteilen:
„Höchstes Level erreicht. System fährt herunter.“

Und manchmal reicht Schokolade eben nicht.

MF


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Erst denken, dann reden – und immer lächeln!

21. Juni – Der längste Tag des Jahres: 17 Sonnenstunden Kommunikation

Winken ohne Grund? Kommunikation unter Fremden