Ampel auf Grün, alles Grün, oder: Was wir sehen, wenn alles gleichzeitig passiert
Heute im Autoradio: Es läuft ein Beitrag darüber, dass heute wieder alles grün angestrahlt wird.
Der 17. März.
St. Patrick’s Day.
Das Empire State Building leuchtet grün.
Wahrzeichen auf der ganzen Welt machen mit.
Eine globale Inszenierung.
Ursprünglich, so höre ich, ging es um den irischen Schutzpatron Saint Patrick –
und um das Kleeblatt, mit dem er der Legende nach die Dreifaltigkeit erklärte.
Aus einem religiösen Symbol wurde ein kulturelles.
Und daraus ein weltweites Farbstatement.
Grün als Zeichen von Irland.
Grün als Zeichen von Leben.
Grün als Zeichen von Zugehörigkeit.
Und ich sitze im Auto und denke:
Interessant – bei mir im Kopf steht die Ampel heute auch auf Grün.
Nur sieht man das nicht.
Heute ist so ein Tag, an dem eigentlich alles auf Grün steht.
Nicht politisch. Nicht programmatisch.
Sondern innerlich.
Frühling.
Sonne.
Aufbruch.
Und während ich so über die Autobahn cruise, denke ich:
Heute könnte ein guter Tag werden.
Grün ist ja eine interessante Farbe.
In der Verkehrspsychologie: freie Fahrt.
In der Natur: Wachstum.
Im Kopf: Hoffnung.
Und bei mir heute?
Ein leuchtend-giftgrün foliertes Muscle Car.
Dodge Hellcat. Oder gleich Lamborghini.
Nicht vernünftig.
Nicht nachhaltig im Sinne von Energiesparen. .
Aber mit nachhaltigem Vortrieb. Und ehrlich.
Denn manchmal geht es nicht um Effizienz.
Sondern um ein Gefühl.
Die Fahrt Richtung Bayern zieht sich.
Gerichtstermin.
Und draußen passiert etwas, das fast schon lehrbuchhaft ist:
Warnung vor Glatteis.
Ein paar Kilometer weiter: Schneereste am Straßenrand.
Dann Regen.
Und plötzlich – Sonne.
Diese klare, fast schon übertriebene Frühlingssonne.
Dazwischen: Wolkenbilder, die aussehen, als hätte jemand zu viel Fantasie gehabt.
Und genau da passiert es.
Der kleine gedankliche Ruck.
Denn während sich draußen alles widerspricht,
versuchen wir drinnen oft, Klarheit zu erzwingen.
Entweder gut oder schlecht.
Entweder Stress oder Entspannung.
Entweder Winter oder Frühling.
Aber die Realität macht da nicht mit
Kommunikation funktioniert genauso.
Konflikte entstehen selten, weil etwas eindeutig ist.
Sondern weil mehrere Wahrheiten gleichzeitig im Raum stehen.
Der eine sieht Glatteis.
Der andere sieht Sonne.
Und beide haben recht.
Nur reden sie, als gäbe es nur eine Version. Eine Wahrheit.
Das ist vielleicht die eigentliche Baustelle:
Nicht, dass wir unterschiedliche Wahrnehmungen haben.
Sondern dass wir sie nicht nebeneinander stehen lassen können.
Wir wollen entscheiden.
Bewerten.
Einordnen.
Ampel auf Rot oder Grün.
Aber was, wenn heute einfach beides gilt?
Ein bisschen Winter.
Ein bisschen Frühling.
Ein bisschen Vorsicht.
Ein bisschen Aufbruch.
Und vielleicht auch:
Ein bisschen Vernunft.
Und ein bisschen giftgrüner Lamborghini im Kopf.
Werkstattgedanke zum Mitnehmen:
Nicht jede Situation braucht eine eindeutige Farbe.
Manchmal reicht es, wahrzunehmen,
dass mehrere gleichzeitig leuchten.
Und genau da beginnt Verständnis.
Und während ich weiterfahre,
zwischen Sonne, Regen und Schneeresten,
denke ich:
Vielleicht ist das die ehrlichste Ampel, die wir haben.
Nicht Rot.
Nicht Grün.
Sondern dieses flirrende Dazwischen.
In diesem Sinne: Euch allen da draußen gute, unfallfreie Fahrt!
MD
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