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Der Mai ist noch so fern , und wenn er da ist, ist bald wieder Weihnachten!

Grau. Kalt. Dunkel. „Es könnte jetzt auch Mai sein.“ Ein Satz, der im Winter zuverlässig fällt wie der erste Raureif – im Büro, an der Bäckertheke, im Treppenhaus. Und meist folgt ein Seufzer, der mehr sagt als der Satz selbst. Die Weihnachtsstimmung ist dahin. Die Aufbruchseuphorie von Silvester ebenfalls. Die guten Vorsätze… nun ja, sie liegen irgendwo zwischen leiser Selbstironie und vorsichtiger Resignation. Und dann dieser Wunsch: Zeit vorspulen. Bitte. Ein paar Monate überspringen. Weniger Dunkelheit, mehr Licht. Weniger Pflicht, mehr Leichtigkeit. Mai eben. Aber was kommunizieren Menschen eigentlich, wenn sie so sprechen? „Es könnte jetzt Mai sein“ – eine kleine Übersetzungshilfe: Wer so spricht, redet selten über das Wetter. Es geht um etwas anderes. Überdruss. Nicht am Leben, aber an der aktuellen Version davon. Erschöpfung. Die Batterien sind leer, die Sonne reicht noch nicht zum Aufladen. Ungeduld. Ein leiser Protest gegen Zustände, die sich nicht beschleunigen lassen. Ve...

Unsinn, der verbindet – Warum Lachen die beste Konfliktprävention ist

 Neulich im Non-Food-Bereich meines Lieblings-Discounters: Zwischen vielen sehr nützlichen Dingen stach mir ein kleines Metallmagnetschild ins Auge. Darauf stand in freundlich verschnörkelter Schrift: „Es muss nicht immer alles Sinn machen. Oft reicht es schon, wenn es Spaß macht!“ Gekauft. Und zwar sofort, ohne Preisvergleich. Dieses Schild hängt jetzt an unserem Briefkasten – und ich muss sagen: Der Blick darauf hebt bei jedem Verlassen des Hauses die Laune um mindestens 12 %. Manchmal auch um 40%, bei schlechtem Wetter. Denn ja: Nicht alles muss immer Sinn machen. Schon gar nicht im Alltag. Schon gar nicht in der Kommunikation. Schon gar nicht im Leben. Schon gar nicht bei Discounter-Magneten. In dieser heiteren Laune stieß ich kurz darauf auf eine Website, die mich elektrisierte: www.nonseum.at   Das selbsternannte „Museum für Unsinn“ im österreichischen Herrnbaumgarten. Ein echtes Museum. Für echten Unsinn. Ich war begeistert , und ein bisschen eifersüchtig, dass ich nic...

Bodyguard mit Herzchen

 Es ist ein paar Monate her. Ich sollte dringend ein Dokument vorlegen – ein Papier, das seit gut zwanzig Jahren irgendwo in meinem Schrank ein stilles Dasein fristet. Die grobe Suchroute durch meine Wohnung war klar, nur die genauen Koordinaten fehlten. Alle Schubladen und Schranktüren waren schon geöffnet … und dabei findet man natürlich Dinge, die man gar nicht gesucht hat. Zum Beispiel ein altes Foto. Darauf mein jüngeres Ich. Hinter mir ein Mann – Amerikaner, Name entfallen – und ein paar weitere bekannte Gesichter auf einem Gartenfest. Das Bild ist über dreißig Jahre alt. Ich stehe mit verschränkten Armen, gespielt strengem Blick, vor ihm. Jemand hat mit Filzstift einen Pfeil auf das Foto gemalt. Daneben steht: „She’s my bodyguard“ – mit Herzchen. Der Mann war übrigens 2,10 m groß. Ich ging ihm exakt bis unter die Brust. Kein Spott, keine dummen Sprüche – diese Freundschaft war auf Augenhöhe. (Jetzt bitte kein Kopfkino!) Klingt lustig, war aber so. Wie oft musste ich mir...

Einfach. Echt. Blogspot. I´m a simple man?

 Neulich fragte mich ein Kollege: „Sag mal, dein Blog ist cool, ich lese die Beiträge gerne, aber warum bist du eigentlich noch bei Blogger ? Das ist doch total… 2008.“ Die Frage überraschte mich, ich dachte kurz nach. Um dann mit der mir eigenen Mischung aus Stolz und leichtem Trotz zu antworten: Weil ich es kann. (Anmerkung: erste spontane Reaktion, passt immer) Weil ich schreiben will, und nicht konfigurieren. Weil mir Inhalte wichtiger sind als Plugins. Und weil ich beim Wort „Funneloptimierung“ leichte Hautirritationen bekomme. Ja, auf den zweiten Blick ist die Frage gar nicht so unberechtigt. Was kommuniziere ich eigentlich, wenn ich ausgerechnet auf "Blogger" schreibe? Und nicht auf einem selbst aufgesetzten WordPress-System mit SEO-Automatisierung, Landingpages und Technikgedöns? Zum Beispiel: Dass man keinen Designfachmann braucht, um gute Gedanken in die Welt zu setzen. Dass Klartext mehr zählt als Klickzahlen. Dass ein Text im Arial-Format mit Seele mehr...

Jahresrückblick und Jahresrückblog 2025

Das Jahr 2025 ist nun fast Geschichte, es hat keine Zeit mehr, sich noch groß zu erklären, zu rechtfertigen oder mich zu überraschen. Warum soll es dem alten Jahr anders gehen als uns allen?  Also übernehme ich das mal und ziehe meine ganz persönliche Bilanz der bewegenden, berührenden und bisweilen kuriosen Momente.   Für mich waren meine wichtigsten Themen und Momente 2025 diese: Mediation trifft Benzingespräch : Die Kombination aus Konfliktklärung und Oldtimerleidenschaft war auch 2025 wieder mein Markenzeichen, ob bei der „Konfliktbaustellen-Tour“ mit unserem Konfliktbaustellenfahrzeug, dem Ford Crown Victoria aus dem Jahr 1985, oder beim Fachsimpeln über alte und neue Autos als Sprungbrett in intensivere Gespräche. Buchprojekte mit Herz : Die Planung des Buchs „Gib Konflikten (k)eine Chance!“   für das nächste Jahr, und das Blog-zu-Buch-Projekt „Konfliktbaustelle – 100 Geschichten über das Reden und Schweigen“ hab...

Gute Vorsätze und gereizte Nerven – Wie wir uns nicht ins neue Jahr streiten

  Dezember 2025. Wir sind auf Besuch. Das Haus voll. Der Kühlschrank leer. Die Plätzchendose verdächtig schnell wieder aufgefüllt. Die Schwiegermutter kommentiert mit ihrer legendären Sanftstimme die Kindererziehung („Das war bei uns früher ganz anders…“), während Onkel Rudi mal wieder die politische Großwetterlage erklärt – laut, bildreich und mit ordentlich Glühwein im Bauch. Und der neue Freund der Nichte, Hubert, führt stolz sein Elektroauto vor und erklärt mit irgendwo aufgeschnapptem Halbwissen, dass unser Cadillac V8 mit 6,2 Liter Hubraum das personifizierte Böse darstellt. Und allen scheint egal zu sein, dass Chris Rea gerade vor ein paar Tagen gestorben ist. "Drivin´home for christmas", hätten wir das dieses Jahr vielleicht einfach mal sein lassen. Ja, Weihnachten ist das Fest der Liebe. Und das merkt man daran, wie schnell der Ton schärfer wird, wenn man drei Tage lang auf engem Raum miteinander lebt, isst, diskutiert, schweigt, schmollt und sich fragt: Warum ...

Osterhasi?

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  Im Kerzenschein der Weihnachtsnacht hat sich der Osterhas´ herangemacht, Er flüstert leis: "Verzeiht den Tausch, doch Frieden passt zur Weihnacht,  und zu Ostern auch! Frohe Weihnachten wünscht das Team der Konfliktbaustelle.

Ohne Titel, ohne Etikett – bin ich trotzdem ich?

 Neulich las ich diesen Satz: „Stell dir vor, du dürftest dich jemandem nicht über deinen Beruf, deine Herkunft, deine Religion oder deine Hobbys vorstellen. Wer wärst du dann?“ Klingt tiefgründig. Fast spirituell. Aber auch ein bisschen arrogant? Und an der Kernfrage: Wer bist Du wirklich? vorbei. Denn ganz ehrlich: Warum sollte ich all das ausblenden, was mein Leben ausmacht? Meine Arbeit zum Beispiel. Die erfüllt mich. Ich habe dafür gelernt, mich weiterentwickelt, Krisen gemeistert. Sie prägt mein Denken, meinen Tagesrhythmus, mein Selbstbild. Oder meine Familie. Ohne sie, ohne die Beziehung zu meinen Kindern, Eltern, Partnern, wäre ich ein anderer Mensch. Und ein ärmerer Mensch. Viele Menschen finden gerade in diesen Lebensbereichen – Beruf, Familie, Glaube, Hobby, Engagement, Sinn, Verbindung und Identität. Diese Bereiche sind keine Masken. Sondern Ausdruck von Zugehörigkeit. Also nochmal: Wer bin ich – wenn ich das alles weglasse? Ich persönlich wahrscheinlich ein...

Sendepause – oder: Was sagt es, wenn ich mal nichts sage?

  „Na, alles okay bei dir? Schon lange nix mehr gelesen von dir...“ Diese Nachricht landete gestern in meinem Posteingang. Nett gemeint, besorgt formuliert, mit einem Unterton zwischen: „Ich vermisse deine Beiträge!“ „Hoffentlich ist nichts passiert.“ und: „Du postest sonst doch immer – warum jetzt nicht?“ Ja, warum eigentlich nicht? Der letzte Blogpost ist vom 2. Dezember. Keine Zeile seither. Kein Glühweinfazit, kein Jahresrückblick, nicht mal ein stilles „Hallo 2026“. Ist der Autor verschollen? Erkältet? Innerlich ausgewandert? Nein, keine Sorge. Ich lebe noch. Nur habe ich… nichts geschrieben. Und schon bin ich mitten im Thema. Wenn jemand, der sonst regelmäßig schreibt, plötzlich eine Pause einlegt, beginnt das große Rätselraten. Wir Menschen sind Deutungsmaschinen. Wir interpretieren, was nicht gesagt wird, oft lauter als das, was klar ausgesprochen ist. Ein paar typische Lesarten der digitalen Funkstille: „Oh, der ist bestimmt krank oder hat Burnout.“...

Aller guten Dinge sind drei …

Neulich bei der Recherche für ein Referat über Aberglauben und seine Bedeutung im heutigen Alltag habe ich mich tiefer als geplant in die verzweigten Wege dieses Themas hineingelesen. Vom Mittelalter bis in die Gegenwart – Aberglaube ist erstaunlich lebendig geblieben. Und dabei fiel mir etwas auf, das wie ein roter Faden durch viele Geschichten, Rituale und Denkweisen führt: Die Zahl Drei. Sie taucht überall auf – ganz gleich ob im Religiösen, im Volksglauben oder in der Alltagskommunikation. Ein paar Beispiele gefällig? Die Dreifaltigkeit im christlichen Glauben: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Glaube, Liebe, Hoffnung – ein klassisches Trio der Tugenden. Die drei Affen : Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Sprichwortklassiker : „Aller guten Dinge sind drei.“ Oder auch das Gleichgewicht der Natur: Erde, Sonne, Mond . Sogar in unseren Kindheitsgeschichten taucht sie immer wieder auf: Drei Prüfungen müssen bestanden werden. Drei Wünsche werden erfüllt. Drei...

Leise rieselt der Stress – Vom Wunsch nach Stille in einer lauten Zeit

Neulich schrieb mir ein geschätzter Mediationskollege: „Wie wär’s mit einem kleinen Adventstreffen? Glühweinstand, lockerer Austausch, vielleicht Samstag 17 Uhr auf dem Weihnachtsmarkt?“ Ich las die Nachricht, lächelte, und spürte gleichzeitig ein Ziehen im Bauch. Nicht, weil ich ihn nicht mag. Nicht, weil ich etwas gegen Begegnungen habe. Sondern weil ich an diesem Adventswochenende vor allem eines suche: Ruhe. Und weil der Gedanke an den Weihnachtsmarkt eher Stress in mir auslöst als Vorfreude. Früher war der Advent für mich eine besondere Zeit. Kerzenlicht, Plätzchenduft, Vorfreude. Ein Innehalten vor dem großen Fest. Eine leise Hinwendung nach innen. Heute? Weihnachtsmärkte sind rappelvoll, Glühwein kostet 6 Euro plus Pfand, die Musik kommt vom Band, ist nicht mein Geschmack, und zwischen Punsch und Plastiksternen schieben sich die Menschen mit Blick aufs Handy durch die Deko-Kulisse. Romantik? Irgendwo zwischen den Essensständen verloren gegangen. Dabei war der Advent ursprüngl...

Unbezahlbar?
Vom Wert der Dinge und dem Preis für Menschlichkeit

Neulich bin ich beim Durchstöbern der Mediatheken bei "Bares für Rares" hängen geblieben. Jeder hat vermutlich schon mal von dieser Sendung gehört, ich bisher nur gehört, nie gesehen. Also klickte ich neugierig drauf und ließ mich auf die Welt der Dachbodenfunde ein. Zu sehen: Menschen, die scheinbar alltägliche Dinge mit großer Geschichte und emotionalem Wert präsentieren. Schmuckstücke, die jahrzehntelang verschollen waren, Erinnerungsstücke aus Uromas Zeiten – für den einen Ramsch, für den anderen ein Schatz. Und genau das bringt mich zum Nachdenken. In der Sendung wird zuerst von einer sachverständigen Person jedem Gegenstand ein Wert zugeschrieben, gemessen an Zustand, Alter, Seltenheit und Begehrtheit auf dem Markt. Doch den tatsächlichen Preis bestimmt dann die Verhandlung, das Marktgeschehen, das Interesse der Käufer. Klingt nach Wirtschaft? Ist es auch. Und trotzdem geht es um mehr. Denn was ist eigentlich der Wert, und was ist der Preis? Ich denke an mein altes ...

Selfcare oder Selbstbetrug? – Wenn Achtsamkeit zur Leistungsdisziplin wird

Neulich im Wartezimmer des Hausarztes, 08.15 Uhr, gottseidank sollte ich nur ein Rezept abholen. Neben mir blättert eine Dame, schätzungsweise Mitte Dreißig, in einer Zeitschrift mit dem Titel "Selfcare für starke Frauen". Als ihr Name aufgerufen wird, sagt sie strahlend und mit echtem Stolz in der Stimme zur Arzthelferin: „Ich bin heute schon um 5:00 Uhr aufgestanden, habe meditiert, Journaling gemacht, kalt geduscht und meine 10.000 Schritte fast voll, ich brauche jetzt nur noch das Rezept, dann ist mein Tag komplett.“ Wow. Ich dagegen hatte mich mit großer Anstrengung aus dem Bett geschält, ein kurzes Frühstück genossen und bin vergleichsweise ziemlich unachtsam in meinen Tag gestolpert. Aber was mich an der Szene beschäftigte, war nicht etwa Neid auf ihre Disziplin. Es war eine Frage: Was kommunizieren wir eigentlich, wenn wir stolz verkünden, wie selbstfürsorglich wir um 5:00 Uhr in den Tag gestartet sind? Selfcare, also Selbstfürsorge, soll uns ja eigentlich schützen...

Angelesen, abgelehnt? Wenn Chatgruppen zur Konfliktbaustelle werden oder: Schweigen wird laut!

Neulich in der WhatsApp-Gruppe der Betreuungsassistenten. „Leute, wie sieht’s aus, Samstag Lerngruppe zur Vorbereitung der Prüfung nächste Woche?“ Gesehen: 11. Antworten: 0. Dann passiert: nichts. Keine Absage. Kein „Bin raus“. Kein Like. Nur dieses nervöse Grummeln im Bauch, das wir alle kennen: Hat niemand Lust? Hab ich was falsch gemacht? Bin ich jetzt peinlich? Können alle anderen schon alles? Willkommen im Kommunikationssumpf moderner Gruppenchats. Früher hießen Gruppen übrigens „Freundeskreis“, „Familie“ oder „Verein“, analog. Heute sind sie digitale Echokammern. Und manchmal klingen sie verdächtig leer. Das Problem: Schweigen ist auch Kommunikation. Und zwar eine der besonders lauten Art. Wenn niemand antwortet, wird das schnell persönlich genommen. Das gesendete Emoji, das ignorierte Meme, das unbeantwortete Planungsangebot, alles verwandeln sich in stille Vorwürfe, die durch den Kopf geister: „Nie reagiert ihr auf meine Ideen.“ „Ich hab’s doch gut gemeint.“ „Warum lese i...

Hobby-Horsing, Hobby-Dogging & Co. - ist das noch harmlos, oder muss das weg?

Was wir wirklich kommunizieren, wenn wir „virtuelle Hobbys“ ausüben: Es gibt Trends, die kommen leise, und bleiben. Und es gibt Trends, bei denen man sich fragt: „Meinen die das ernst?“ So ging es mir beim ersten Mal, als mir jemand vom „Hobby-Horsing“ erzählte: Menschen, meist Jugendliche, springen mit einem Steckenpferd durch Parcours, präsentieren Dressurlektionen und üben Schritt, Trab, Galopp. Und zwar nicht im Spaßraum der Kita, sondern mit erstaunlicher Ernsthaftigkeit. Mittlerweile ist das schon fest etabliert. Doch dann kam „Hobby-Dogging“: Menschen führen imaginäre Hunde an echten Leinen aus. Man kann Kurse buchen, für Leinenführung, Unterordnung, Hundepsychologie. Nur: Da ist kein Hund. Spätestens an dieser Stelle stellt sich die Frage: Was kommunizieren Menschen, die virtuelle Tiere ausführen? Und was sagt das über unsere Gesellschaft? Zuerst das Positive: Bewegungsdrang, Kreativität und eine Spur verspielte Leichtigkeit nehmen wir wahr. Bevor wir also die Hände über de...

Der blaue Koffer - meine Büchse der Pandora?

Als Kind hatte ich einen hübschen kleinen Koffer. Er war blau, schon damals ziemlich alt, mit einer Holzbespannung als nostalgisches Dekoelement. Ich bewahrte meine Puppenkleider darin auf. Später, als ich älter wurde, nutzte ich ihn für andere Schätze meiner Jugend, Briefe, Kleinigkeiten, Erinnerungen. Und als ich schließlich auszog, nahm ich ihn mit. Seitdem zog der Koffer mit mir von Wohnung zu Wohnung. Ich öffnete ihn nie. Nicht ein einziges Mal. Aber ich schleppte ihn mit. Immer. Der Koffer wurde zu einem stillen Begleiter, zu einer Konstante in meinem Leben. Ich stellte ihn ab, unbemerkt, ungenutzt, aber irgendwie war er immer da. Und wie oft machen wir das auch mit unseren inneren Themen? Wir tragen Dinge mit uns herum, die wir nie wirklich anschauen, alte Gedanken, frühere Verletzungen, verlorene Träume. Wie der Koffer stehen sie still in einer Ecke unseres Inneren. Nicht ausgepackt, aber trotzdem immer präsent. Sollte man solche inneren „Koffer“ irgendwann öffnen? Ist das ...

Wer nur fürs Wochenende lebt, verpasst fünf Siebtel der Woche ...

und ist jeden Montag ein Verlierer! Heute morgen beim Frühstück: Ein TikTok-Video geht viral. Ein junger Influencer klagt: Acht Stunden täglich arbeiten? Unmöglich! Wie soll man da noch leben? Die Empörung ist groß – und das nicht nur in den Kommentarspalten. Denn der Subtext ist klar: Arbeit ist lästig. Sie steht dem „echten Leben“ im Weg. Und damit sind wir mitten in einer Kommunikationsbaustelle, die größer ist als ein viraler Clip: Was bedeutet Arbeit eigentlich für uns, in unserer Gesellschaft, heute im Jahr 2025? Die Idee, dass Arbeit etwas ist, was „auszuhalten“ sei, und das eigentliche Leben erst nach Feierabend beginnt, ist weit verbreitet. Aber diese Idee ist auch gefährlich. Denn sie tut so, als sei jeder, der in seiner Arbeit Freude, Sinn, Stolz oder gar Identität findet, ein hoffnungsloser Fall. Das ist herabwürdigend. Die These, dass man sich nur in der Freizeit, beim Yoga-Retreat oder beim Dropshipping aus Bali selbst verwirklichen kann, ist schlicht falsch. Die Fra...